Armenien passt zu Unternehmern und Selbstständigen, die einen niedrigen, einfachen Steuertarif und eine schnelle Einbürgerung wollen und dafür einen Standort mit geschlossenen Landgrenzen in Kauf nehmen. Es passt nicht zu jemandem, der eine ruhige, seit Jahren unveränderte Rechtslage sucht, und es passt seit Juli 2025 nicht mehr zu IT-Freiberuflern, die wegen des Ein-Prozent-Versprechens gekommen wären.
Wann Armenien und wann Georgien
Für die meisten Leser dieser Seite ist Georgien die erste Antwort in dieser Region, weil es Auslandseinkünfte von Ansässigen freistellt und Selbstständige mit 1 Prozent davonkommen lässt. Armenien gewinnt in vier benannten Fällen: wenn du eine Ansässigkeitsbescheinigung brauchst, ohne 183 Tage im Land zu verbringen, wenn dein Einkommen aus Dividenden besteht, wenn du den zweiten Pass in drei Jahren mit Doppelpass willst, und wenn du einen dauerhaften Status ohne Anwesenheitspflicht suchst. Trifft keiner dieser Punkte auf dich zu, ist Georgien die naheliegendere Wahl.
Drei Zahlen tragen den Standort
Die Einkommensteuer liegt bei 20 Prozent flat, ohne Progression. Die Körperschaftsteuer liegt bei 18 Prozent. Kapitalgewinne auf Wertpapiere kosten 0 Prozent, und der Verkauf privater Immobilien an Privatpersonen bleibt steuerfrei. Für Vermögen, das aus Depots und nicht aus Arbeitseinkommen lebt, ist das der eigentliche Punkt.
Einbürgerung nach drei Jahren, mit Doppelpass
Drei Jahre Aufenthalt genügen für den Antrag auf Einbürgerung, verlangt werden ein Test zur Verfassung und Armenischkenntnisse für ein Gespräch. Armenien erlaubt die doppelte Staatsbürgerschaft. Wenige Länder sind so schnell, und das ist der Grund, warum Armenien überhaupt auf Plan-B-Listen steht.
Was gegen Armenien spricht
Die Landgrenzen zu Aserbaidschan und zur Türkei sind geschlossen. Du kommst über den Flughafen, über Georgien und über Iran, und das ist bei einer Krise eine dünne Auswahl. Der Friedensprozess läuft, aber er läuft noch: am 8. August 2025 wurden in Washington eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet und ein Friedensvertrag paraphiert, im Januar 2026 folgte der Umsetzungsrahmen für die Verkehrsverbindung durch Sjunik. Ein ratifizierter Friedensvertrag ist das noch nicht.
Das Reformtempo ist der zweite Einwand. Armenien hat zwischen Anfang 2025 und Ende 2026 die Umsatzsteuer, das Mikroregime, das Kryptorecht, die Krankenversicherung, die Erklärungspflichten und das Aufenthaltsrecht angefasst. Die Regierungspartei hat bei der Parlamentswahl am 7. Juni 2026 mit 49,7 Prozent ihre Drei-Fünftel-Mehrheit gehalten und kann Verfassungsgesetze ohne die Opposition beschließen. Wer hier plant, plant in einem Land, das seine Regeln weiter bewegen wird.
Und der Kostenvorteil hat eine Lücke, die niemand erwähnt: die Miete. Insgesamt liegt Armenien rund 41 Prozent unter deutschem Niveau, bei den Lebensmitteln 42 Prozent und in der Gastronomie 40 Prozent. Eine Ein-Zimmer-Wohnung im Zentrum von Jerewan kostet aber rund 630 Euro und liegt damit nur noch 31 Prozent unter deutschem Niveau. Der Zuzug von 2022 hat den Wohnungsmarkt dauerhaft verschoben.

